Joachim Braun –

eine Kurzvorstellung

Joachim Braun ist 40 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im schönen Sierning in Oberösterreich.

Seit acht Jahren ist er Diabetiker. Er fliegt bereits seit seinem 16. Lebensjahr. Gleitschirmfliegen ist eine der wenigen Flugsportarten, die Diabetikern offiziell erlaubt ist.

Alter: 40 Jahre
Geographischer Lebensmittelpunkt: Sierning (Österreich)
Gelernter Beruf: Leichtflugzeugbauer
Leidenschaft: Gleitschirmfliegen



Mehr über Joachim Braun erfahren
Sie im Interview:

Redaktion: Herr Braun, verraten Sie uns kurz etwas über sich?

J. Braun: Gerne! Mein Name ist Joachim Braun, ich bin 40 Jahre alt und wohne mit meiner Frau und zwei Kindern im schönen Sierning in Oberösterreich.

Redaktion: Seit wie vielen Jahren sind Sie Diabetiker?

J. Braun: Ich bin seit sieben Jahren Diabetiker. Seit drei Jahren muss ich regelmäßig Insulin zuführen. Ich habe mich statt für eine Pumpe für die Anwendung von Spritzen entschieden, weil sie mir ein besseres Gefühl für die Kontrolle geben.

Redaktion: Ihre Leidenschaft gilt dem Gleitschirmfliegen: eine faszinierende Sportart und eine der wenigen Flugsportarten, die Diabetikern offiziell erlaubt ist. Wie sind Sie auf dieses besondere Hobby gekommen?

J. Braun: Ich fliege schon seit meinem 16. Lebensjahr, bereits in der Lehre als Leichtflugzeugbauer habe ich den Pilotenschein (Segelflieger mit Hilfsmotor) gemacht. Mit 22 Jahren habe ich dann den Grundkurs fürs Paragleiten in Tirol absolviert. Die Freiheit, mit dem Gleitschirm auf einen Berg zu steigen und einfach davonzufliegen, hat mich fasziniert und begeistert.

Redaktion: Wie ging es weiter, nachdem Sie das Paragleiten für sich entdeckt hatten?

J. Braun: Als fast schon logische Konsequenz habe ich den Sonderpilotenschein für Paragleiter gemacht. Das heißt, ich darf offiziell als Tandempilot Passagiere mitnehmen und mit ihnen vom Berg hinunterfliegen. Seit etwa 8 Jahren tue ich das nun bei der Flugschule Hinterstoder. Es ist einfach großartig, anderen Menschen dieses Gefühl der Freiheit vermitteln zu können.

Redaktion: Der uralte Menschheitstraum vom Fliegen – Sie verwirklichen ihn nicht nur für sich, sondern auch für andere?

J. Braun: Genau. Manchmal passiert es sogar, dass ich einen ehemaligen Passagier bei der Paragleitausbildung in unserer Flugschule wiedertreffe. Paragleiten macht eben einfach „süchtig“ (lacht). Mittlerweile habe ich auch die Berechtigung, um motorisierte Paragleiter (mit Motor auf dem Rücken) zu nutzen – so habe ich auch die Möglichkeit, im Flachland zu starten und zu landen. Außerdem bin ich inzwischen Fluglehrer-Assistent.

Redaktion: Hatte der Diabetes Auswirkungen auf Ihre Entscheidung, eine Ausbildung zum aktiven Piloten zu absolvieren? Gibt es Dinge, auf die Sie als Diabetiker besonders achten müssen? Kontrollieren Sie zum Beispiel vor dem Start oder nach der Landung Ihren Blutzucker?

J. Braun: Im Grunde war ich ja vorher schon Pilot und habe mich durch meinen Diabetes nie einschränken lassen. Natürlich kontrolliere ich mehrmals am Tag gewissenhaft meinen Blutzucker, so regelmäßig, dass ich es nicht unbedingt direkt vor dem Start noch einmal machen muss. Ich entscheide das individuell je nach Vorhaben, ob ich z.B. zu Fuß auf den Berg gehe oder mit der Bergbahn zum Startplatz fahre, denn das macht natürlich schon einen Unterschied. Deshalb ist es sehr wichtig, seine Broteinheitenaufnahme und die dazugehörige Insulinmenge richtig zu berechnen und gegebenenfalls zu korrigieren. Wenn man das im Griff hat, kann eigentlich nichts passieren

Redaktion: Welche Dinge haben Sie diabetesbedingt beim Paragleiten stets dabei?

J. Braun: Traubenzucker habe ich immer dabei, meist auch zuckerhaltige Getränke.



Redaktion: Wirkt sich das durch das Fliegen freigesetzte Adrenalin auf Ihren Blutzucker aus?

J. Braun: Ich denke nicht, zumindest habe ich noch keine großen Schwankungen meines Blutzuckerspiegels bemerkt!

Redaktion: Allgemeine Fitness, eine stabile psychische Verfassung und eine gute Motorik sind für das Fliegen von Vorteil. Würden Sie sagen, dass Ihnen Ihr Hobby sogar dabei hilft, sich ausgeglichen zu fühlen?

J. Braun: Natürlich fühle ich mich ausgeglichener! Bewegung ist sehr wichtig für Diabetiker – und je fitter ich bin, desto geringer ist mein Insulinbedarf.

Redaktion: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihrer Erkrankung unter dem Aspekt „Paragleiten erfordert ein gewisses Maß an Selbstdisziplin“ und einem optimalen Diabetesmanagement?

J. Braun: Auf jeden Fall ist Selbstdisziplin für beides von sehr hoher Bedeutung (schmunzelt). Sowohl beim Fliegen als auch beim Diabetesmanagement sind Sorgfältigkeit und ständige Kontrolle sehr wichtig.

Redaktion: Wo überall fliegen Sie? Welche Flugstrecken sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

J. Braun: Mein Lieblingsfluggebiet ist tatsächlich Hinterstoder, wo auch die Flugschule ihren Sitz hat. Natürlich mache ich aber auch Ausflüge in andere Fluggebiete. Einen meiner schönsten Flüge habe ich letztes Frühjahr gemacht: Ausgangspunkt war der Startplatz Hirschwaldstein in Micheldorf, von dort mit der Thermik hinauf auf eine Höhe von ca. 2500 m, dann Richtung Sengsengebirge/ Phyrgas und quer rüber ins Ennstal. Dort bin ich an den Südhängen weiter Richtung Grimming-Kammspitz-Stoderzinken geflogen. Es war ein wunderbarer Flug. Die starke Thermik hat mich in Höhen von 3500 m hinaufgetragen! Am Ende hab ich es dann noch geschafft, mit einer Überquerung des Toten Gebirges wieder in Micheldorf zu landen.

Redaktion: Und wo wollen Sie als nächstes fliegen?

J. Braun: Eines meiner nächsten Ziele sind die Dolomiten in Südtirol – die Bergkulisse dort ist einfach atemberaubend!

Redaktion: Haben Sie Ihre Flugausrüstung auch im Urlaub dabei?

J. Braun: Wenn neben meiner Frau und meinen beiden Töchtern noch Platz im Auto ist, dann ist sie immer dabei (lacht).

Redaktion: Sind Sie schon einmal im Ausland geflogen?

J. Braun: Ja, in Frankreich, Spanien und Italien. Man muss aber wirklich nicht allzu weit verreisen, denn in den Alpen gibt es eine Vielzahl von schönen Fluggebieten.

Redaktion: Was würden Sie abschließend anderen Diabetikern - und natürlich auch Nicht-Diabetikern - raten, die sich fürs Fliegen interessieren?

J. Braun: Interessierte sollten auf jeden Fall einen Tandemflug wagen, um zu sehen, ob ihnen das „frei in der Luft sein“ gefällt. Natürlich stehe auch ich gerne für Fragen und auch als Tandem Pilot zur Verfügung. Dazu können sie jederzeit die Flugschule Hinterstoder (www.fliegmit.at) kontaktieren.

Redaktion: Herr Braun, vielen Dank für das Interview und weiterhin guten Flug!