Kati Schneider

stellt sich vor

Mein Name ist Kati Schneider, geborene Winkler. Ich kam 1974 in Chemnitz zur Welt und bin im Leistungssportsystem der ehemaligen DDR groß geworden – mit vier Jahren stand ich das erste Mal auf dem Eis. Insgesamt fast 30 Jahre war das Eislaufen meine Leidenschaft, die letzten 18 Jahre davon mit meinem damaligen Eistanzpartner René Lohse.

Im Februar 2011 wurde ich dann mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert, kurz nachdem bei meiner großen Tochter Leni im Juli 2010 bereits Typ-1-Diabetes festgestellt worden war.

Alter: 42 Jahre
Geburtsort: Chemnitz
Gelernter Beruf: Bürokauffrau
Leidenschaft: Eiskunstlauf
Sportliche Erfolge: 1998 und 2002 die Teilnahme an den Olympischen Spielen mit einem 10. und einem 8. Platz, bei der WM 2004 in Dortmund der 3. Platz und danach noch zwei Jahre Eiskunstlauf-Shows, zum Beispiel „Stars auf Eis“ bei Pro7 oder „Holiday on Ice“ in ganz Deutschland.



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Sie im Interview:

GlucoGramm: Frau Schneider, was machen Sie derzeit beruflich?

K. Schneider: Im Moment bin ich sicherlich in erster Linie Mama, da ich mich ja auch um den Diabetes meiner Tochter mitkümmern muss. Aber ich arbeite auch bei einem kleinen regionalen Fernsehsender, allgäu TV, als Moderatorin. Im Winter bin ich nach wie vor auf dem Eis unterwegs und gebe Eistanzkurse für Erwachsene, unter anderem auch in Feldkirch in Österreich. So ganz lässt mich das Eis dann eben doch nicht los ...

GlucoGramm: Bei Ihnen wurde in der zweiten Schwangerschaft Schwangerschaftsdiabetes festgestellt. Hatten Sie zu diesem Zeitpunkt Bedenken, selbst dauerhaft an Diabetes erkranken zu können?

K. Schneider: Nein, während der Schwangerschaft hatte ich keine Bedenken dauerhaft an Diabetes zu erkranken – obwohl ich da auch schon Insulin spritzen musste. Irgendwie schien uns die Erkrankung aber zu verfolgen, denn meine große Tochter bekam ja dann fast zum gleichen Zeitpunkt Typ-1-Diabetes

GlucoGramm: Wie und wann wurde dann bei Ihnen Typ-1-Diabetes diagnostiziert?

K. Schneider: Typ 1 wurde bei mir im Februar 2011 diagnostiziert, weil ich ja auch nach der Geburt meiner zweiten Tochter regelmäßig zur Kontrolle ging.

Damals war dann wirklich alles etwas viel: Meine 2 1⁄2 jährige Tochter Diabetes, die Kleine frisch auf der Welt und dann auch noch meine Diabetesdiagnose... ohne die tolle Unterstützung meines Mannes hätten wir das nicht so gut gemeistert.

GlucoGramm: Verwenden Sie Spritzen oder eine Pumpe? Wie routiniert sind Sie mittlerweile beim Diabetesmanagement?

K. Schneider: Leni und ich tragen inzwischen beide die gleiche Pumpe. Für uns ist es im Alltag einfach eine große Erleichterung, schon allein, weil man sich z.B. beim Skifahren nicht komplett ausziehen muss, um sich Insulin abzugeben.

Mittlerweile sind wir recht routiniert, aber natürlich ist Diabetes eine Erkrankung, an die man Tag und Nacht denken muss, die man eben nie vergessen darf und kann.

GlucoGramm: Was halten Sie von der Aussage „Diabetes ist kein Hindernis“? Fühlen Sie sich sehr eingeschränkt oder würden Sie sagen, man kann mit dem richtigen Diabetesmanagement so gut wie alles machen?

K. Schneider: Die Aussage „Diabetes ist kein Hindernis“ finde ich wirklich gut, denn wir führen auch mit Diabetes ein weitgehend normales Leben. Ich denke, eine positive Lebenseinstellung und insbesondere die Disziplin vom Leistungssport haben mir da sehr viel geholfen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich manchmal mehr auf meine Tochter als auf mich selbst achte, aber das ist als Mama ja oft so ... Ich arbeite daran!

Wichtig ist für mich auch, gut über Diabetes informiert zu sein. Denn je mehr man über die Erkrankung weiß, umso gelassener kann man in vielen Situationen reagieren. Mein Mann kennt sich übrigens genauso gut aus wie ich – eine Riesenentlastung, wenn ich mal unterwegs bin.

GlucoGramm: Bei Ihrer Tochter Leni wurde mit 2 1⁄2 Jahren Typ-1-Diabetes diagnostiziert. Welche Symptome hatte sie, als die Krankheit ausbrach?

K. Schneider: Bei meiner Tochter waren die ersten Symptome schnell sichtbar. Sie sah irgendwie krank und blass aus, trank 3 Liter am Tag und ging alle 5 Minuten zur Toilette. Die Vermutung Diabetes bestätigte sich dann sehr schnell und wir waren zur Insulineinstellung eine Woche im Krankenhaus.

GlucoGramm: Inzwischen ist Leni 8 Jahre alt – wie kommt sie mit ihrer Erkrankung zurecht?

K. Schneider: Sie kommt mit ihrem Diabetes gut zurecht und ist zum Glück ein aufgeschlossenes, sportliches und selbstbewusstes Mädchen. Vielleicht hilft es ihr auch ein bisschen, dass ich ebenfalls betroffen bin und sehr offen mit der Erkrankung umgehe.

Wir haben außerdem eine Kinderdiabetesgruppe in Kempten, die „Diabetesspatzen“. Dort treffen wir uns ca. 6-8 Mal im Jahr zu Ausflügen und hatten sogar schon einen Workshop mit einem Kinderpsychologen. Den Austausch mit anderen Eltern und Kindern finde ich sehr wichtig. Man hat die gleichen Sorgen und Probleme, man hilft sich gegenseitig und Leni sieht, dass sie nicht allein ist mit ihrer Erkrankung.

GlucoGramm: Wie regelmäßig kontrollieren Sie den Blutzucker Ihrer Tochter? Notieren Sie ihre Blutzuckerwerte in einem Tagebuch?

K. Schneider: Wir kontrollieren den Blutzucker sehr regelmäßig, bestimmt 6-10 Mal am Tag. Das härteste sind für uns manchmal die Nächte. Da steht zum Glück mein Mann oft auf und kontrolliert. Nicht dass wir zu viel Angst vor Unterzuckerung hätten, aber wenn die Nacht stimmt, dann sind die BZ-Werte einfach auch schon mal 8 Stunden im grünen Bereich und auch der Tag läuft dann deutlich besser – das ist uns wichtig. Oft trägt Leni jetzt auch ein CGM-Gerät am Oberarm, was beim Sport und in der Nacht große Vorteile bietet.

Wir führen nicht immer BZ-Tagebuch – meist dann, wenn es mal nicht so gut läuft, um die Fehler zu finden. Für uns ist hauptsächlich immer die Tagesgesamtmenge an Insulin wichtig, die wir benötigen (Bolus und Basalrate). Danach passen wir dann oft die Basalrate der Pumpe an. Außerdem lesen wir ab und zu die Pumpe aus und können uns so einen guten Überblick verschaffen. Und Traubenzucker, ein Ersatzpen oder ein gezuckertes Getränk gehört wohl für jeden Diabetiker zur Standardausrüstung – natürlich auch bei uns.

GlucoGramm: Wie selbständig ist Leni denn bei ihrem Diabetesmanagement schon?

K. Schneider: Natürlich übernehmen wir noch einiges – Leni wird aber immer selbständiger und weiß, wie sie ihren BZ misst und wie sie sich Insulin mit der Pumpe abgeben kann. Zum Glück spürt sie auch ihre Unterzuckerungen recht gut, das ist beruhigend. Auch beim Katheterwechsel macht sie schon einiges selbst.

GlucoGramm: Ihre jüngere Tochter Emily ist nun 5 Jahre alt. Lassen Sie sie regelmäßig auf Diabetes testen?

K. Schneider: Nein, denn irgendwie finde ich, wir haben schon genug zu tragen. Natürlich könnte ich Emily auf Antikörper hin untersuchen lassen, aber bisher kann ja niemand genau sagen, wann der Diabetes tatsächlich ausbricht, wenn wirklich Antikörper festgestellt werden. Ich hoffe und glaube einfach fest daran, dass Emily davon verschont bleibt. Sollte der Diabetes auch sie treffen, dann weiß ich genau, was zu tun ist.

GlucoGramm: Typ-1-Diabetes ist eine Krankheit, die viel Disziplin und Kontrolle erfordert und hohe Anforderungen an die Betroffenen stellt. Sehen Sie eine Parallele zum Sport, was den Aspekt „Disziplin und optimales Diabetesmanagement“ betrifft?

K. Schneider: Ja, ich denke, die Disziplin vom Leistungssport hilft sehr beim Diabetesmanagement. Ich bin sicher, die Psyche ist ebenfalls wichtig – man darf sich von schlechteren Werten nie entmutigen lassen. Und das lernt man tatsächlich im Leistungssport: immer wieder aufstehen, nach vorne schauen und durchhalten!

GlucoGramm: Sie waren viele Jahre lang Profi-Sportlerin. Wie sieht es heute mit Sport aus?

K. Schneider: Ich bin im Moment weniger sportlich unterwegs, aber das eher aus Zeitgründen. Im Winter ab und zu auf dem Eis und beim Langlaufen oder Skifahren. Im Sommer mal beim Laufen oder Tanzen.

GlucoGramm: Ist Ihre Tochter Leni sportlich aktiv?

K. Schneider: Leni ist aktiver als ich! Sie schwimmt zweimal in der Woche im Verein, geht im Winter zum Langlauftraining und ist auch eine kleine Läuferin: Sie läuft 5 km in 26 Minuten!

GlucoGramm: Worauf müssen Sie oder Ihre Tochter diabetesbedingt bei Ihren sportlichen Aktivitäten oder – bei Leni – im Schulsport besonders achten? Inwieweit sind die Lehrer involviert?

K. Schneider: Bei den sportlichen Aktivitäten müssen wir natürlich besonders auf den BZ achten, denn der ist dann schnell mal im Keller. Im Schulsport funktioniert es ganz gut, Traubenzucker hat Leni ja auch immer dabei oder sie isst noch eine Kleinigkeit extra. Lenis Klassenlehrerin weiß über alles gut Bescheid, auch, was im Notfall zu tun ist. Sie hat Traubenzucker in einer Dose und achtet auf Leni, aber Leni managt in der Schule eigentlich alles selbst. Ich denke, hier ist der persönliche Kontakt mit den Lehrern extrem wichtig, um ein wenig Sicherheit zu geben und die Angst vor dem „Diabetesmonster“ zu nehmen.

GlucoGramm: Frau Schneider, vielen Dank für das Interview und alles Gute für Sie und Ihre Familie!

Quelle: Interview in der Zeitschrift GlucoGramm 12/2016
(herausgegeben von A. Menarini Diagnostics Österreich)